Winterruhe bei Bartagamen – Der XXL-Ratgeber für Einsteiger & Profis!

Winterruhe bei Bartagamen

Bartagamen kommen aus dem fernen Australien. Auch dort gibt es saisonale Schwankungen bei den klimatischen Verhältnissen. Daher sollten wir für unsere geliebten Haustiere die jährlich wiederkehrenden, natürlichen Klimaschwankungen initiieren. Dies ist wichtig, werden so doch biologische Signale freigesetzt.

Wie man die Winterruhe bei Bartagamen korrekt durchführt, erfährst du in diesem Ratgeber. Dabei gehen wir sowohl auf das Ein- als auch Auswintern ein. Außerdem gibt es noch ein paar nützliche Expertentipps obendrauf. So steht der erfolgreichen Winterruhe deiner Bartagamen nichts mehr im Wege.

Die ersten Grundlagen:

Nach der Winterruhe beginnen die Echsen mit der Balz und pflanzen sich schließlich fort. Damit die Tiere dafür genügend Kraft und Lebensfreude haben, gibt es diese Ruhephase. Wer besonders erfolgreich züchten möchte, sollte sich hier also keine groben Schnitzer erlauben.

Das wäre zum Beispiel das Überwintern einer Bartagame, die sich noch in der Häutungsphase befindet. Außerdem benötigen auch Jungtiere unbedingt eine Winterruhe. Zwar findet man noch ab und an gegenteilige Meinungen im Netz, aber diese gelten seit Jahren als überholt. Eines sollte aber klar sein. Nur gesunde Bartagamen sollten überwintert werden.

Die Ruhephase dauert in der Regel 6 bis 12 Wochen. Ein Minimum von 6 Wochen sollte dabei auf keinen Fall unterschritten werden. Allerdings bestimmen die Tiere am Ende selber, wann ihre Winterruhe zu Ende ist. Einen Einfluss darauf haben wir nicht wirklich.

Zudem kann sich die Rangordnung nach der Winterruhe ändern. Meist behält diese ihre Gültigkeit bis zur nächsten Ruhephase und wird dann erneut von den Bartagamen bestimmt. Nach der ruhigen Zeit stehen uns also wieder stürmische Phasen im heimischen Terrarium bevor.

Winterruhe & Winterschlaf ist nicht das Gleiche:
Die Winterruhe bei Bartagamen ist kein Winterschlaf, wie ihn etwa gleichwarme Säugetiere vollziehen. Diese verringern ihren Kreislauf ein niedriges Niveau und verfallen daher in eine Art festen Schlaf. Bartagamen hingegen wachen auch in der Winterruhe ab und an auf, um die Schlafpostion zu wechseln oder um zu trinken.

Prüfung des Gesundheitszustands vor der Winterruhe:

Die Tiere verringern während der Winterruhe ihre Aktivitäten fast komplett. Daher muss man ein paar Dinge überprüfen. Als Grundlage stellt sich natürlich die Frage, ob die Tiere gesund sind. Kann dies bejaht werden, sollte man noch folgende Schritte durchführen:

  • Entleerung des Darms anregen, damit bei der Winterruhe keine Verdauungsreste im Darm gären. Meist gelingt dies durch ein Bad in handwarmen Wasser. Oft reicht es schon eine Bademöglichkeit im Terrarium zu schaffen, damit die Tiere Kot lassen.
  • Überprüfung des Kots, ob die Tiere an Endoparasiten leiden. Hierfür kann ein Kotuntersuchungsset erworben oder ein Tierarzt aufgesucht werden. Fällt die Probe positiv aus, sollten die Parasiten vor der Überwinterung behandelt werden.

Bevor man sich nun an die Überwinterung machen kann, sollte man die Bartagamen noch auf Milben prüfen. Entdeckt man auf der Haut rote oder weiße Punkte, gilt es die Behandlung der Bartagamen aufzunehmen. Hierfür sollte man das Terrarium mit einem Insektizid behandeln und alle Gegenstände gründlich desinfizieren. Gegebenenfalls ist ein Tierarzt aufzusuchen.

Wurden alle Punkte abgearbeitet, kann man schon fast mit der Winterruhe beginnen. Allerdings sollte man nun noch jede Bartagame wiegen. So kann man während der Ruhephase prüfen, ob es den Tieren gut geht. Grundsätzlich wird während dieser Phase kaum an Gewicht verloren. Lediglich die Fettreserven am oberen Teil des Schwanzes werden etwas weniger.

Einwintern der Bartagamen:

Nun geht es an das Eingemachte. Im Spätherbst werden die Bartagamen immer träger und fressen weniger. Dies sind die Vorboten der anstehenden Winterruhe und gleichzeitig unser Signal, die baldige Ruhephase einzuläuten.

Dafür wird über einen Zeitraum von 2 bis 3 Wochen die Beleuchtung schrittweise reduziert. Dabei sollte man mit den Spotstrahlern beginnen und dann die Beleuchtung so lange reduzieren bis man sie völlig ausschalten kann.

Das Gleiche gilt auch für die eventuell verbaute Heizung. So sollte man die Temperatur schrittweise reduzieren oder je nach Raumtemperatur sogar völlig abschalten. Die perfekte Temperatur für die Winterruhe liegt bei etwa 18 bis 20 Grad Celsius.

Wichtig ist in Sachen Temperatur nur, dass sie nie über einen längeren Zeitraum unter die Marke von 15 Grad Celsius fällt. Kurzfristig darf die Temperatur im Terrarium zudem nicht unterhalb 10 Grad Celsius liegen.

Futter reduzieren:

Etwa 3 bis 4 Wochen vor der Winterruhe sollte man das letzte Mal Lebendfutter geben. Auch das Grünfutter muss reduziert werden. Wir hören etwa 2 Wochen vor der Ruhe mit dem Füttern auf. So kann sich der Darm in Ruhe entleeren und es verbleiben keine Nahrungsreste im Darm.

Kleiner Expertentipp:

Beim Verdacht auf große Futtermengen im Darm, kann man das Tier vorsichtig baden. Meist entledigt sich die Bartagame noch während des Bads. Sollte dem nicht so sein, ist das auch kein Weltuntergang. Kleinere Mengen an Futter machen einem gesunden Tier keine weiteren Probleme.

Die Winterruhe beginnt:

Haben wir alles richtig gemacht, erkennen die Bartagamen die Zeichen und suchen Verstecke auf. Manche von ihnen fangen auch mit dem Graben an oder verlassen ihren angestammten Platz nicht mehr.

Man sollte allerdings darauf achten, dass die Bartagamen von unten nicht zu viel Wärme an ihrem Ruheplatz bekommen. Ansonsten droht nämlich die Gefahr, dass die Tiere austrocknen und dies gilt es auf jeden Fall zu verhindern.

Haltungstipps während der Winterruhe:

Befinden sich die Tiere in der Ruhephase muss man als Halter trotzdem ein paar Dinge erledigen. Für uns stellt die Winterruhe also kein Pausieren des schönsten Hobbys der Welt dar. So sollte man immer für frisches Wasser im Terrarium sorgen. Dabei gilt es die Schüssel so zu platzieren, dass die Tiere beim Trinken nicht gestört werden.

Außerdem sollte man von Zeit zu Zeit die Luftfeuchtigkeit im Terrarium durch Wasser sprühen erhöhen. So wird sichergestellt, dass die Tiere nicht austrocknen. Ein Blick auf das Hygrometer hilft auf jeden Fall weiter.

Als guter Halter hat man natürlich auch ein Auge auf den gesundheitlichen Zustand seiner Bartagame während der Winterruhe. So darf die Kloake nicht verschmutzt sein. Ebenfalls sollte man die Tiere alle 2 bis 3 Wochen wiegen. Dabei sollte man einen Blick darauf haben, ob sie hierbei die Augen öffnen. Tun sie es nicht, sollten die Alarmglocken schrillen.

Gut zu wissen:
Kann man die Temperatur im Raum nicht auf das benötigte Level senken, sollten die Tiere in kühlere Räume umgelagert werden. Dazu eignen sich ein Karton oder eine große Plastikkiste mit ausreichend Luftlöchern.

Dabei kann man die Box gleich wie ein Terrarium einrichten. Empfehlenswert ist dabei eine Versteckmöglichkeit sowie eine Wasserschale. Als Untergrund kann man auf Küchentücher zurückgreifen.

Auswintern der Bartagamen:

Nach der Ruhephase von etwa 6 bis 12 Wochen, zeigen sich die ersten Männchen wieder aktiv im Terrarium. Manch eine Bartagame strotzt gleich von Anfang mit voller Energie, andere hingegen müssen erst mal richtig aufwachen. Auf jeden Fall sind die Drachen nach der Ruhephase weniger anfällig für Krankheiten und der Paarungstrieb wird nun von Tag zu Tag stärker.

Als Halter müssen wir in dieser Phase nicht allzu viel tun. Wir kehren lediglich die Schritte der Einwinterung um. Das bedeutet, dass wir schrittweise für mehr Licht und Temperatur sorgen. Dabei wiederholen wir den Vorgang so lange bis alle Werte wieder erreicht sind.

Etwa 4 Wochen nach der Winterruhe kann man dann wieder mit dem Füttern von Lebendfutter beginnen. Zudem sollte man 8 Wochen nach der Ruhephase noch einmal eine Kotuntersuchung durchführen. Schließlich können sich vorhandene Schädlinge während der Ruhezeit vermehren.

Gut zu wissen:
Möchte man den Fortpflanzungsdrang der Drachen nach Winterruhe ankurbeln, kann es sinnvoll sein Männchen und Weibchen getrennt voneinander zu überwintern. Setzt man sie dann nach der Ruhephase zeitlich versetzt wieder in das Terrarium, steht der erfolgreichen Zucht so gut wie nichts mehr im Wege.

Was sollte man noch wissen?

FAQ-Bereich

Das Thema Winterruhe ist ein Dauerbrenner bei unserer Leserschaft. Immer wieder erreichen uns E-Mails von Einsteigern, aber auch Profis, die interessante Fragen haben. Um diesen Ratgeber noch informativer zu machen, haben wir die besten Fragen samt unseren Antworten im Folgenden veröffentlicht:

Gibt es bei Bartagamen auch eine Winterruhe im Sommer?

Ja. Die Mitchells Bartagame (Pogona Mitchelli) hält eine Sommerruhe. Das ist für diese Bartagame aufgrund der lebensfeindlichen Situation überlebenswichtig, die während der Sommerzeit in ihrem Heimatland herrscht. Die Trockenzeit könnte sie ohne das Herunterfahren ihres Körpers auf das Minimum ansonsten nicht überleben.

Kann die Winterruhe schon im August oder September beginnen?

Manchmal verbuddeln sich die Tiere schon im Spätsommer und es schaut so aus, als würden sie sich auf die Winterruhe vorbereiten. Meist ist dies aber nicht der Fall. Viele Tiere ziehen sich häufig bei der Häutung zurück. Auch Krankheiten können der Verursacher dieses Verhaltens sein. Manchmal ist es auch die Sommerruhe. Gerade bei der Mitchells Bartagame sollte man aufpassen.

Ist die Bartagame tot oder hält sie noch immer Winterruhe?

Ab und an kommt es vor, dass die Tiere so fest schlafen, dass man sie für tot halten könnte. Allerdings ist dies so gut wie nie der Fall. Wenn man sich Sorgen macht, kann man das betroffene Tier wiegen. Oft öffnet es dabei noch die Augen und alles ist wieder gut.

Alternativ kann man auch einen Tierarzt aufsuchen. Dann hat man Gewissheit. Wenn der Körper der Bartagame sehr schlaff ist oder die Augen eingefallen wirken, ist dies absolut sinnvoll. Auch der Versuch des Aufweckens wird von vielen fachkundigen Haltern empfohlen.