Das Verhalten von Bartagamen richtig deuten lernen!

Bartagamen Verhalten

Viele Halter haben es schon durch aufmerksames Beobachten ihrer Drachen gemerkt. Die Körpersprache von Bartagamen ist im Vergleich zu Menschen sehr eindeutig, aber trotzdem enorm vielseitig. Das hat uns zum Verfassen dieses umfangreichen Beitrags bewogen.

Im Folgenden wirst du lernen, wie du die Verhaltensäußerungen deiner Bartagamen richtig deutest und somit optimal auf ihre Bedürfnisse eingehst. Ihr großes Repertoire an Signalen macht es uns Haltern einfach ihr Verhalten nachvollziehen zu können. Trotzdem muss man sich ein paar Grundlagen aneignen, um die Meister der Körpersprache verstehen zu können.

Die wichtigsten Grundlagen:
Bartagamen haben ein sehr gutes Sehvermögen und können andere Lebewesen bereits aus größerer Entfernung erspähen. Daher lieben sie es auch auf erhöhten Positionen zu sitzen und das Treiben um sich herum zu beobachten.

Möchte man das Verhalten seiner Bartagamen besser deuten lernen, sollte man sich auf ihre Körpersprache konzentrieren. Die Fähigkeit Laute abzugeben, ist bei den kleinen Drachen nämlich nicht besonders gut ausgeprägt. Lediglich ein Fauchen oder Brummen bekommt man ab und an zu Gehör, wenn sie einen Angreifer abwehren.

Leider ist auch das Gesicht wenig aufschlussreich. Es ist so starr, dass man keinerlei Spiel der Mimik erkennen kann. Trotzdem ist es als erfahrener Halter nicht so schwer, das Verhalten richtig zu verstehen und auf die Bedürfnisse seines Haustiers einzugehen.

Erkundungsverhalten:

Möchten Bartagamen ihre Umgebung erkunden, benutzen sie hierfür in der Regel ihre Zunge. So können sie Gegenstände, Nahrung oder Artgenossen auf ihre geruchlichen Informationen hin überprüfen. Damit dies auch funktioniert, werden die zu untersuchenden Dinge abgeleckt. Im Fachjargon spricht man dann vom Züngeln.

Die nun an der Zunge befindlichen Geruchsspuren und Pheromone werden beim Zurückziehen an das Jacobsonsche Organ weiter geleitet. Dieses verarbeitet nun die Informationen und gibt sie über Nervenreize in das Gehirn weiter.

Allerdings dient das Züngeln nicht nur der Aufnahme von Geruchsspuren. Häufig benutzen Bartagamen dieses Verhalten als Form der Begrüßung. Gut zu erkennen ist es daran, dass sie sich hierfür an der Nackenpartie des Gegenübers belecken.

Dich beschäftigt ein bestimmtes Verhalten?

Oft machen Bartagamen etwas Bestimmtes und man weiß einfach nicht warum. Hier hilft unsere Tabelle mit den häufigsten Verhaltensmustern und deren Bedeutung weiter. Außerdem musst du so nicht den ganzen Ratgeber durchlesen und sparst wertvolle Zeit.

Signal:Bedeutung:Definition:
NickenDominanzgesteWird vom ranghöheren Tier in Richtung des niedrigeren Tieres ausgeführt.
Aufstellen der vorderen Hälfte des Körpers. Geht oft mit Schwanzschlagen und Abspreizen des Bartes einher.DominanzgesteHiermit wird ein hoher Ranganspruch demonstriert.
Winken / ÄrmchendrehenBeschwichtigungsgesteWird von der unterlegenen Bartagame in Richtung des ranghöheren Tieres ausgeführt.
DuckenDemutsgesteSoll den Angriff durch einen Gegner verhindern
Ducken mit Schwanzheben und NackenbissPaarungsverhaltenFortpflanzung
Öffnen des Mauls inkl. Abspreizen und Schwarz färben des Barts.DrohgesteAbwehr von Feinden bzw. Angreifern.

Thermoregulation:

Wie bei allen anderen Reptilien auch handelt es sich bei Bartagamen um sogenannte poikilotherme Tiere. Hinter diesem Begriff verbringt sich das Wort wechselwarm. Das bedeutet nichts anderes als, dass die Tiere ihre Körpertemperatur nicht selbst regulieren können. Beeinflusst wird diese durch die Umgebung.

Daher muss man auch in jedem Terrarium Sonnenplätze zum Aufwärmen einrichten. Dabei sollte man die kühleren Bereiche aber nicht vergessen. Bartagamen erhöhen ihre Körpertemperatur, indem sie die Körperfläche vergrößern. Meist erkennt man dies daran, dass sie sich verbreitern und ihren Körper dabei abflachen.

Des Weiteren verändert sich die Färbung ihres Körpers im Laufe des Tages. Schuld daran ist die Kontraktion der melaninhaltigen Hautzellen. Bemerkbar macht sich dies dadurch, dass die Tiere morgens dunkler als am Abend sind. Haben sie sich lange genug aufgewärmt, um ihre Körpertemperatur zwischen 30 und 40 Grad Celsius zu bringen, beginnen sie damit aktiver zu werden und schließlich auch zu fressen.

Damit sie nicht überhitzen, wird die Haut aufgehellt und schattige Plätze im Terrarium aufgesucht. Können sie ihre Temperatur nicht weit genug absenken, fangen sie mit dem Hecheln an. Dies führt zu verdunsteter Flüssigkeit, die die Mundschleimhäute kühlt. Außerdem wird dadurch die Körpertemperatur weite gesenkt. Das Verhalten von Bartagamen bei der Thermoregulation ist spannend zu beobachten. Zumindest für Einsteiger.

Gut zu wissen:
Bartagamen in der freien Wildbahn möchten am Ende des Tages nicht zu schnell auskühlen. Daher findet man sie abends oft auf asphaltierten Straßen oder Steinen, die noch schön warm sind.

Abwehrgesten:

Bartagamen schließen ihre Augen als Abwehrgeste. Leider wird dies häufig missverstanden. So werden geschlossene Augen beim Streicheln immer wieder als Ausdruck der Entspannung fehlinterpretiert. Allerdings handelt es sich hier klar um ein Verhalten von Bartagamen, das man als Ablehnungsgeste verstehen sollte. Das Streicheln gilt es nun einzustellen.

Es gibt natürlich auch viel deutlichere Signale, die Bartagamen als Abwehrgeste verwenden. Wenn sie drohen möchten, stellen sie ihren Bart auf und reißen das Maul dabei so weit wie möglich auf. Ist dieses Verhalten noch immer nicht deutlich genug gewesen, wird nun mit dem Fauchen begonnen. Die Bartagame möchte den Feind nun in die Flucht schlagen.

Sehr oft ist nun noch ein Abspreizen des Bartes zu erkennen. Außerdem präsentiert sie nun noch die vielen Stacheln. Damit dies möglichst gut gelingt, wird der Körper seitlich abgeflacht. Und nur in Ausnahmefällen kommt es dann zur Attacke. Die Rede ist von einem Biss.

Dominanzverhalten:

Auch bei Bartagamen existiert eine soziale Hierarchie. Der geübte Beobachter erkennt dies schnell. So machen ranghöhere Tiere den Niedrigen das Futter streitig. Außerdem besitzt die ranghöchste Bartagame den schönten Aussichts- und Sonnenplatz.

Weiterhin beweist sie ihre Dominanz durch ruckartiges Kopfnicken. Dieses wird von den anderen Tieren meist mit einem beschwichtigenden Winken erwidert. Möchte eine Bartagame ihren Ranganspruch möglichst deutlich demonstrieren, wird dafür oft der Bart so weit wie möglich abgespreizt und gefärbt. Zusätzlich dazu wird dann noch genickt und mit dem Schwanz geschlagen.

Gut zu wissen:
Die Färbung von Bartagamen gibt Auskunft darüber, wie sich die Tiere gerade fühlen. So variiert die Körperfarbe zum Beispiel bei Angst, Aggression oder Wohlbefinden. Beobachtet man seine Tiere gründlich, wird einem die Färbung mit der Zeit viel Aufschluss darüber geben, wie sich die Bartagame gerade fühlt.

Demutsverhalten:

Nicht nur das Winken oder das Ärmchendrehen ist eine klassische Demutsgeste bei Bartagamen. So legen sich unterlegene Tiere als Zeichen der Beschwichtigung oft so flach wie nur möglich auf den Boden. So eine Unterwerfungsgeste sieht man häufig als Antwort auf das Nicken vom ranghöchsten Tier.

Eine etwas abgeschwächte Form hiervon sind das Ducken des Körpers sowie das langsame Auf- und Abwärtsbewegen des Kopfes samt Überkörper. Ab und an kann man dieses Verhalten bei Bartagamen auch gegenüber dem Halter feststellen.

Kämpfen:

Als guter Halter sollte man Kämpfe zwischen seinen Bartagamen so weit wie nur möglich zu verhindern wissen. Schließlich können die Tiere dabei Zehen, Beine oder die Schwanzspitze verlieren. Kommt es zu einem Kampf, beginnt dieser meist damit, dass sich beide Kontrahenten umkreisen und sich dann einander seitlich nähern.

Wenn dann keine der Bartagamen Beschwichtigungssignale wie Winken vollzieht, geht es auch schon los. Ziel ist es den Gegner in die seitlichen Stachelschuppen zu beißen. Hat dies geklappt, versucht das überlegene Tier sich über den Schwächeren zu schieben. Diese Prozedur erinnert stark an die Paarung.

Meist bleibt die besiegte Bartagame dabei regungslos am Boden liegen, bis sie schließlich flüchten kann. In der freien Wildbahn ist dies absolut normal und nicht weiter schlimm. Werden die Bartagamen hingegen in einem Terrarium gehalten ist das nicht so gut.

Schließlich ist das Revier sehr klein und ein Rückzug nur begrenzt möglich. Meist muss man als Halter eingreifen und die Tiere langfristig voneinander trennen. Ansonsten kann es dazu kommen, dass die unterlegene Bartagame aufgrund von Angst und damit einhergehendem Dauerstress immer weniger frisst. Manchmal wird sie sogar vom überlegenen Tier angefressen.

Häufig nehmen unterlegene Männchen auch das Verhalten von Weibchen an, um den Überlegenen weiterhin beschwichtigen zu können. Daher raten wir davon ab 2 Männchen in einem Terrarium zu halten. Manch ein Halter berichtet sogar davon, dass die Geschlechtsbestimmung bei so einer Bartagame nicht mehr eindeutig wäre. So ein Verhalten bei Bartagamen ist natürlich nicht Ziel der Haltung.

Balzverhalten:

Nicht nur um die Dominanz zu demonstrieren nicken Bartagamen. Auch den Einstieg in das Balzverhalten stellt das mehrfache Nicken dar. Zusätzlich wird der Bart dunkel gefärbt, um dem Weibchen klarzumachen, dass man bereit für die Paarung ist.

Das Nicken wird meist in Form von Armbewegungen erwidert. Dabei verbleibt das Weibchen ansonsten ganz ruhig an Ort und Stelle. Manchmal wird auch der Schwanz leicht gehoben. Sobald das Männchen seinen Paarungsbiss im Bereich der seitlichen Halspartie oder im Nacken durchgeführt hat, kann es auch schon zur eigentlichen Paarung kommen.

Manchmal ist das Weibchen aber nicht in der Stimmung, um sich besteigen zu lassen. Dann versucht es das Männchen im wahrsten Sinne des Wortes abzuschütteln. Oftmals greift sie hierbei auf Bisse und Hiebe mit ihrem Schwanz zurück.

Weibchen können also durchaus sehr aggressiv werden. Dabei schrecken sie auch nicht vor einem Angriff auf ihren Halter zurück, sollte dieser versuchen den Kampf zu beenden. Trotz der Möglichkeit verletzt zu werden, sollte man die Tiere besser trennen. Nach einiger Zeit verhalten sie sich auch wieder als wäre nichts geschehen.

Was sollte man noch wissen?

FAQ-Bereich

Dieses Thema scheint unsere Leser zu faszinieren. Ab und an bekommen wir wirklich spannende Fragen zum Verhalten von Bartagamen per Mail. Die interessantesten von ihnen haben wir aufgelistet. So profitierst auch du und nicht nur der Fragesteller von unseren Antworten.

Wie verhält sich eine Bartagame bei der Häutung?

Meist beginnt alles damit, dass die Haut immer trüber und milchiger wird. Schließlich beginnen die Tiere damit sich zu kratzen oder gar an Gegenständen im Terrarium zu reiben. Bis die Häutung abgeschlossen ist, können mehrere Tage vergehen. Möchte man der Bartagame dabei behilflich sein, kann man sie in lauwarmen Wasser baden.

Warum kratzt sich meine Bartagame ständig an der Scheibe?

Dieses Verhalten lässt sich sehr einfach erklären. Die kleinen Bartagamen verstehen nämlich nicht, dass die durchsichtige Scheibe keinerlei Durchgang erlaubt. Selbst nach einigen Jahren zeigen sie noch dieses Verhaltensmuster. Möchte man dies unbedingt unterbinden, kann man den unteren Teil der Scheiben zum Beispiel anstreichen.

Verändert sich das Verhalten von Bartagamen im Alter?

Ja. Die Tiere werden immer inaktiver und stellen sogar ihre Paarungsaktivitäten ein. Oft sind sie auch anfälliger für Stress und Krankheiten. Manch ältere Bartagame klettert zudem kaum noch und viele ältere Tiere werden nicht länger als Chef der Gruppe angesehen. Oft ist eine Einzelhaltung dann angebracht.